Vereinsgeschichte



 

 

 

Text: 15.07.1900 Die besten Grüße sendet Ihnen in gemütlicher Stimmung bei einem guten Glas Limo

 (Die besten Grüße und fröhliche Weihnachten wünscht der Turnverein Bieber)

 

Feldpostkarte vom 18.02.1915, Text: An Karl Burkart, 1. Infanterie Landsturmbatallion 1 Darmstadt, Etappen Infanterie 3 Sterne 4. Kompanie zur Zeit in  Vonzinerb, Frankreich 3. Kompanie eingeschneit
 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Vorderhaus und Saal um 1901
 

Ca. 1934, mit 1. Vorsitzenden Zilch

 

Saal beim 90jährigen Jubiläum

Postkarte mit Datum 1940, Danke an das Stadtarchiv Offenbach am Main

 

Saal bei der akademischen Feier zum 150jährigen Jubiläum 2011



Geschichte des Turnvereins Bieber - Aus der Festschrift zum 50. Bestehen des TVB

Entstehung des Vereins im April 1861

Als zu Anfang der 60er Jahre wieder ein frischer Zug durch das deutsche Turnen ging und auch vielleicht angeregt durch das vom 10. bis 12. August 1860 abgehaltene zweite Deutsche Turnfest zu Berlin, sowie das vom 5. und 6. August desselben Jahres gefeierte erste Mittelrheinische Kreisturnfest in Offenbach, fanden sich auch in Bieber, damals noch ein kleinerer Ort mit 1500 Einwohnern, einige junge Leute zusammen und gründeten, um dem Turnen, als Pflege für Körper und Geist, auch hier in Bieber eine Pflanzstätte zu geben, einen Turnverein. Von Vereinen bestanden damals nur der 1842 gegründete Gesangsverein "Frohsinn" und ein Gesangsverein unter dem Namen "Sängerlust", dessen Bestehen aber nur von kurzer Dauer war.

Als Gründer sind zu nennen: Adam Burkart I, Philipp Moritz Herzing, Johannes Beck*, Anton Kaiser, Johannes Petri, Mart. Herzing, Pet. Burkart*, Adam Burkart II*, Pet. Herzing, Johannes Wagner, Johannes Herzing, Peter Josef Becker, Adam Heberer*, Peter Windisch, Peter Kurt, Johannes Bauer, Nikolaus Herzing*, Adam Krah, Aler Meztler, Konrad Bauer*, Peter Bergmann*, Franz Zilch, Konrad Gesser. (Die mit * bezeichneten sind noch am Leben)

Noch lebende Gründer des Vereins (Bild von 1911)

Den Gründern

Heil Euch: Ihr wack'ren Pioniere,
Froh schlagen uns're Herzen Euch entgegen;
Zum Dank Euch nun die gold'ne Eichel zieret,
Da Ihr geebnet uns die ersten Wege,
So Ihr den Spaten habt geführt mit ernstem Mut,
Um einzugraben fest des Fundamentes Stein
Aus Sorge für des Volkstums höchstes Gut,
Durch's Turnen stets gesund an Leib und Seel zu sein.
Und war dies Streben wohl so manches mal nicht leicht,
Um so viel besser musste dann das Werk gelingen,
Mancher Erfolg wurde wohl auch erreicht
Nach hartem, unermüdlichem Ringen;
Ein Stein zum andern setzte sich zusammen,
Durch diese nun durchlebten fünfzig Jahre,
Nach Eurem Vorbild, der Begeist'rung Flammen,
Kann nur das Vorwärtsstreben stets vor Not bewahren
In harter Zeit vor Sturm und anderen Gefahren.
So sei Euch wohl am Tage heute,
Die Ihr es konntet noch erleben,
von Herzensgrund gebracht die Freude
Gemüt und Geist zur Stunde zu erheben.
Wenn auch so manches Haupt zum Silberschein geworden,
Frisch habt erhalten Ihr Euch doch das Turnerblut,
Froh stetst den Sinn im Jugendhorte,
Fromm wohl bewahrt als höchstes Gut,
Frei von dem Falschen, stets in Treue.
Mögen Euch bescheret sein noch viele Tage,
um Euch am edlen Werke zu erfreuen.
Von diesem Wunsche seien alle Herzen heut getragen.
Gut Heil!

J.H.


Gelegentlich des ersten Mittelrheinischen Kreisturnfestes in Offenbach, sahen sich verschiedene junge Leute von hier das Turnen daselbst an und äußerten bei Offenbacher Turnern den Wunsch, auch in Bieber gerne einen Turnverein zu besitzen; mit dabei war auch das heute noch dem Verein angehörende Mitglied Adam Burkart II; es wurde ihnen zu diesem Zwecke von den Offenbacher Turnern eine Einzeichnungsliste angefertigt, mit der Weisung, dieselbe in einer geeigneten Wirtschaft in Bieber auszulegen. Dieses war auch in der Wirtschaft "Zum Löwen" geschehen, und in kurzer Zeit hatten sich schon rund 30 junge Leute eingezeichnet. Also kann das Haus "Zum Löwen" als Gründungslokal angesehen werden. Bald wurden auch die Vereinstatuten ausgearbeitet und an das Kreisamt zu Offenbach eingesandt. Doch als diese mit der amtlichen Genehmigung versehen, nach Bieber zur Bürgermeisterei kamen, gab der damalige Bürgermeister, Adam Jäger, dieselben an den im Gasthaus "Zur Krone" (in der ein Schwiegersohn (Rupp) von ihm die Wirtschaft führte) bestehenden Gesangverein "Sängerlust" mit der Weisung, die jungen Turner sollten mit diesem Verein zusammen sein und könnten da auch turnen.

So mussten die Turner nach Lage der Verhältnisse auch nachgeben und schlossen sich diesem Verein an. Dies konnte jedoch nur von kurzer Dauer sein, da trotz aller Versprechungen für die Turner nichts übrig blieb, um ihr Ideal, das Turnen, auszuüben, und die Beiträge, die sie leisteten, für den Zweck des Gesangsverein aufgebraucht wurden. Auch glaubten sie, den älteren Mitgliedern desselben nicht gewachsen zu sein, und so rafften sich denn die Turner auf und zogen in ein anderes Lokal, in das Gasthaus "Zur Brezel", wo auch der Turnverein dann bis zur Erbauung seiner eigenen Turnhalle im Jahre 1899 verblieb. Mit dem Wegzuge in die "Brezel" gab es nun geteilte Sache, und da alle Postsachen, die einliefen, in der "Krone" abgegeben wurden, wo jetzt doch die eigentlichen Turner nicht mehr waren, so gingen die Turner von der "Brezel" zu den Offenbacher Turnern und fragten um Rat, was nun zu tun sein. Der Turnverein Offenbach teilte dann allen befreundeten Turnvereinen mit, dass alle nach Bieber gerichteten Schriftsachen an den Verein im Gasthaus "Zur Brezel" zu adressieren seien, und es sollte auch kein Verein von auswärts an dem von dem Verein in der "Krone" ins Werk gesetzte Fest einer Geräteeinweihung teilnehmen. So war denn auch bald das Ende des Vereins in der "Krone" besiegelt, nachdem es noch, als die Turner von der "Brezel" einmal wieder nach Offenbach zu einer Besprechung gegangen waren und auf dem Rückwege von den Turnern aus der "Krone" belauert und überfallen wurden, zu einer nicht geringen Keilerei gekommen war, bei der es eingeschlagene Zähne und dergl. mehr gegeben haben soll.

Bei dem Verein in der "Brezel", der auch die Wurzel des gegenwärtigen Vereins bildet, wurde es jetzt lebhafter; es wurde im Hofe resp. unter der alten Halle ein Reck und ein Barren sowie Kletterstangen aufgestellt. (Die wörtliche Eintragung im Kassenbuch von damals lautet: Für ein Räck bezahlt sechs Gulden, für zwei Stangen 42 Kreutzer, für einen Barren fünf Gulden 18 Kreutzer.) Jedoch nur einen Sommer schien der Raum im Hofe "Zur Brezel" genügend zu sein; denn im Frühjahr 1861 wurde im Hofe von Franz Zilch, jetzige Hofseite von Landwirt Adam Seelmann, geturnt, auch wurden jetzt die Geräte von der "Krone" für 36 Gulden abgekauft. Die Turner, wenn auch noch sehr unkundig im praktischen Turnen, suchten doch immer durch Anschluß an größere Vereine vorwärts zu streben, ein Zug der durch die ganzen Anfangsjahre bemerkbar ist; denn es ist auch schon in diesem Jahre, 1861, ein Gulden für "Reinigen Turnverband" (wie wörtlich eingetragen ist, gemeint ist für Mittelrheinkreis), bezahlt worden; also war der Verein auch schon zu Kreis und Gau (damals Maingau) beigetreten.

Zu dem am 17. - 19. August 1862 in Bieber abgehaltenen zweiten Kreisturnfeste waren auch zwei Mitglieder des Vereins, Josef Wagner und Johannes Heberer IV, entsandt worden. Mit dem Jahre 1863 wurde wieder mit dem Turnplatz gewechselt und es wurde im Hofe von Andreas Ritzel in der Kirchgasse geturnt, in dem man dann längere Zeit, bis zum Ankauf eines eigenen Turnplatzes im Jahre 1870, verblieb. (Die Miete für diesen Platz betrug jährlich 8 Gulden.) In diesem Hofe und Garten mit noch angrenzenden Gärten wurde dann auch die von Frauen und Jungfrauen gestiftete Fahne eingeweiht und soll dieses ein recht traulicher Festplatz gewesen sein. Diese Fahnenweihe im Juni 1863 machte auf die ganze Gemeinde den größten Eindruck. Wie die Stimmung der damaligen Verhältnisse in der Bevölkerung dem neuen Turnverein gegenüber war, geht aus den Festreden, der die Fahne überreichenden Fahnenjungfrau (Maria Bauer, jetzige Frau Christoph Seelmann Witwe) und des Festredners Johannes Heberer IV hervor. Die Rede der Ersteren liegt noch im Original vor, und es kann für heute kein besseres Wort für unserer Turner geben, als es damals schon gesprochen wurde; darum möge sie auch hier wörtlich folgen:

"Verehrte Anwesende, insbesondere liebe Turner von Bieber!"

Mit Freuden, ja mit einem gewissen Gefühle des Stolzes treten wir heute in Eure Mitte, geliebte Turner, deutsche Turner, um an einem Feste uns zu betätigen, das so freudig, aber auch eben so ernst und wichtig ist, Eure Fahnenweihe. Wir danken sogleich für die große Ehr, die Übergeberinnen Eure Paniers der Zukunft sein zu dürfen. Erlauben sie uns hier noch einige Worte zu sprechen, wie solche bei ähnlichen Gelegenheiten in den Herzen deutscher Jungfrauen mit und nachtönen.
Jedes aufrichtige anhaltende Ringen wird sicher mit Erfolg gekrönt, Ihr lieben Turner hat es an Euch, an Eurem Verein erfahren. Die ganze Gemeinde sah mit Spannung Eurem mannhaften Streben entgegen, und die größte Achtung habt ihr Euch durch Euer so echtes deutsches Wirken errungen. Als Beweis empfanget hiermit Eure Fahne als Symbol der Treue, der Einigkeit und Standhaftigkeit. Schart Euch um dieselbe sobald man Euch dieses Heiligtum zu entreißen sucht; tretet alle hinzu und schützet dieselbe durch Wort und Tat.
Wir überreichen Euch hiermit die Fahne, sie ist von zarter Hand gefertigt, und wird von schwacher Hand überreicht, aber so zart und schwach sie jetzt erscheinen möge, so bedenkt, dass dieselbe von starker Hand geführt, und dass sie das unzertrennliche Band sei, welches Euch an Euren engeren Verein und zugleich an den großen Verein, dem wir alle gern angehören, bindet: unser geliebtes deutsches Vaterland! Wir erlauben uns, Euch geliebte Turner und geehrte Anwesende von echtem deutschem Schrot und Korn aufzufordern, auf dasselbe ein dreifaches Gut Heil mit uns einzustimmen. Gut Heil!"


Um diese Worte, die von einem Offenbacher Turner verfasst waren, am Festtage auch richtig zur Geltung zu bringen, wurden recht viele Umstände gemacht. Es mussten etliche Mädchen diese lernen, im Brezelsaale wurden sie vom Vorstande abgehört, und die Wahl fiel auf die oben Genannte, die dann auch am Festtage die Erwartungen würdig erfüllte.

Die Fahne selbst wurde nicht von einer Fabrik, wie heute, komplett bezogen, sondern es wurden die einzelnen Teile gekauft, wie aus den alten Büchern ersichtlich ist. Die Stickerei wurde von einer Firma "Lieber" in Hanau ausgeführt.

Die Beiträge der Mitglieder betrugen in den ersten Jahre drei, vier bis zu 6 Kreuzer wöchentlich, zu dem damaligen Verdiensten der Leute (der Wochenverdienst betrug kaum fünf bis sechs Gulden, ist nach heutigem Gelde 11 bis 12 Mark), eine nicht geringe Opferwilligkeit. Wie schon erwähnt, suchten die Turner immer auf dem Laufenden zu bleiben. So wurde der am 1. September 1863 in Bingen tagende Kreisturntag schon beschickt, und 1864 wird schon die "Deutsche Turnzeitung", sowie der "Wetterauer Bote" (eine oberhessische Zeitung, die sich des Turnens angenommen hatte), gehalten. Kurz nach der Fahnenweihe erwies der Verein einem verstorbenen Mitglied die letzte Ehre, die Fahne wurde zum ersten Male mitgetragen und beim Rückmarsch in der Kirche von dem damaligen Geistlichen geweiht, mit dem Hinweis, dass dem Verein jetzt noch ein Grablied bei einer solchen Gelegenheit fehlte, und so wurde auch bald danach ein Grabgesang eingeübt.

Geturnt wurde nur so viel, als jeder aus sich selbst fertig bringen konnte, bis späterhin verschiedene Male Turner aus Offenbach herüberkamen und vorturnten; denn aus den gekauften Turntabellen konnten die hiesigen Turner nicht sehr viel entnehmen. Zum ersten Male auf dem Feldbergfeste sehen wir die Turner im Jahre 1865, wobei auch die Fahne mitgenommen wurde, die dann auch verschiedene Male in späteren Jahren mit dabei war. Auch wurde in diesem Jahre auf Kirchweih ein "Eichelschlagen" von dem Vereine ausgeführt; dieses war früher ein beliebtes Unterhaltungsspiel, und ist folgendermaßen ausgeführt worden:
Es wurde mit Musik, gewöhnlich Kirchweihdienstag, durch die Straßen auf einen freien Platz gezogen; hier wurde den Jungfrauen abwechselnd die Augen verbunden und sie mussten versuchen, mit einem Dreschflegel einen auf die Erde gestellten irdenen Topf zu zerschlagen. Wem diese glückte, dem gehörte dann der Hahn. Dieses rief dann natürlich die komischsten Zwischenfälle hervor; denn schon in diesem Jahre ging dabei ein von Gastwirt Heberer geliehener Dreschflegel in Stücke und musste mit einem Gulden bezahlt werden.

Die erste "Maikur", eine Frühwanderung am zweiten Pfingsfeiertagmorgen, wurde im Jahre 1867 ausgeführt; sie wurde schon damals bei der Käsmühle abgehalten und dabei zum Frühstück Kaffee abgekocht. Spätere Jahre ging es öfter an das "weiße Kreuz", eine Straßenkreuzung und schönes Plätzchen im Isenburger Walde. Diese Maikur hat sich bis zum heutigen Tag erhalten. An dem 6. Mittelrheinischen Kreisturnfest am 9. und 10. August 1868 beteiligte sich der Verein mit fast allen seinen Mitgliedern. Im Jahr 1869 im Herbste hielt der Verein seinen ersten Ball und sollen hierbei die Ausschmückungen des Saales, ausgeführt von dem Mitgliede Franz Stabel, eine große Wirkung ausgeübt haben.

Als dann im Jahre 1870 der Kriegsruf durch die deutschen Lande ging und die deutschen Männer zu den Waffen rief, mussten auch zwölf Mitgliedes Vereins Abschied nehmen von Freund und dem Liebgewonnenen, um für das Vaterland zu streiten. Da nun die Mitgliederzahl auf ein kleines Häuflein zusammengeschmolzen war, so wurden die Geschäfte und Kasse des Vereins geschlossen. Jedoch war vor Ausbruch des Krieges der eigene Turnplatz an der Lämmerspielerstraße in verschiedenen Grundstücken angekauft worden. Seine Weihe erhielt dieser Platz dadurch, dass im nächsten Jahr den zurückkehrenden Kriegern von Bieber auf demselben von der Gemeindevertretung ein herzlicher Empfang bereitet wurde. Der Platz kostete 300 Gulden und war auf den Namen des Mitgliedes Nikolaus Herzing eingetragen, da der Verein noch keine juristischen Personsrechte hatte; auch wurden von diesem Mitgliede längere Jahre die Grundsteuern für dieses Grundstück in uneigennütziger Weise aus eigener Tasche bezahlt. Das Geld für den Platz war je zur Hälfte von der Seligenstädter Sparkasse und P. J. Becker geliehen.

Die ersten Bäumchen zur Beschattung des Platzes wurden im Jahre 1873 gepflanzt und sind hierfür 10 Gulden 36 Kreuzer notiert. Auf den Grundstücken standen etliche Äpfelbäume, deren Obst innerhalb des Vereins versteigert wurde, die aber später, in den 80er Jahren, entfernt werden mussten.

Hier tritt uns der Wechsel der Münzrechnung, also die Einführung des heutigen Geldes vor die Augen; denn beim Übertragen des dritten zum vierten Quartal 1875 heißt es: Kassabestand vom dritten Quartal 81 Gulden 33 1/2 Kreuzer, macht umgerechnet 139 Mark 80 Pfg. Bis zum Jahre 1875 gehörte der Verein dem Maingau an. Der Maingau umfasste damals ein sehr großes Gebiet von Aschaffenburg bis Frankfurt, Offenbach bis nach Wiesbaden, und so kam es, dass in damaliger Zeit das praktische Turnen sehr daniederlag in unserer Gegend; an diesem Zustande konnte der spätere langjährige Gauvertreter, Lehr L. Stahl, der damals nach Offenbach kam, seine Freude finden, und begünstigt durch den Moment, dass auch kurz vorher der Gau Frankfurt sich selbständig machte, fasste er den Entschluß, einen Gau für unsere Umgegend ins Leben zu rufen. Es wurde den Vereinen mitgeteilt, und sie zu einer Besprechung nach Offenbach "Zur Stadt Frankfurt" eingeladen. Bei dieser Gründung des Gaues "Offenbach", später, nachdem die Turngemeinde Hanau beitrat, Gau "Offenbach-Hanau", war auch der Turnverein Bieber beteiligt; als erste Abgeordnete waren Nik. Herzing und Theodor Metzler bestimmt. Letzterer wurde auch beim ersten Gauturntag als Gaurechner in den Gauauschuss gewählt.

1876. Mit dem Bestehen dieses Gaues war jetzt auch die Gelegenheit gegeben, sich turnerisch zu betätigen. Es waren Gauvorturnerstunden eingerichtet worden zur Belehrung der Vorturner, und als im Frühjahr 1876 der erste Turntag auf der "Felsenburg" bestimmt hatte, dass ein Gaufest in Neu-Isenburg abgehalten werden solle, ging es freudig an die Arbeit. Dieses erste Gaufest wurde dann auch am 7. September 1876 in Neu-Isenburg in Verbindung mit dem zweiten Gauturntag, welcher am Vormittag stattfand, abgehalten. Als Kampfrichter waren die Mitglieder des Vereins, Nikolaus Herzing und Th. Metzler, gewählt. Zu dem Weitturnen in vier volkstümlichen Übungen, Freihoch, Weitsprung, Steinstoßen und Klimmen, waren im ganzen nur 33 Bewerber angetreten. Es waren dabei fünf Turner des Vereins beteiligt, und von 18 Siegern, die es gab, konnte Kaspar Jäger an fünfte Stelle kommen. Dieses ist somit der erste turnerische Erfolg für den Verein.

1877. Das zweite Gaufest wurde dann auch schon im Jahre 1877 am 9. September in den Mauern von Bieber abgehalten, und leider durch Regenwetter beeinträchtigt, weshalb mehrere Vereine nicht erschienen waren. Den Festplatz bildetet der Turnplatz des Vereins. Auch hier wurde wieder der Turntag am Vormittag abgehalten (Gasthaus "Zur Bretzel"), unter dem Vorsitze des Gauvertreters Stahl. Es waren zum Wetturnen 14 Turner aus Offenbach, 16 von Bieber und 3 von Hausen angetreten, und von 19 ausgegebenen Kränzen fielen sechs dem Verein zu. Leonhard Becker wurde dritter Sieger. Das Fest hatte einen Fehlbetrag von 38,20 Mark, die auf die Gaukasse übernommen wurden. Der Verein zählte damals 52 Mitglieder.

1878. Bei dem 3. Gaufest, das am 25. August 1878 in Heusenstamm (Schlosshof) abgehalten wurde, erhielten 3 Turner des Vereins Kränze von 18, die im ganzen ausgegeben wurden.

1879. Das 4. Gaufest wurde am 31. August wieder in Neu-Isenburg abgehalten, und zwei Turner des Vereins wurden Sieger.

1880. Mitte Juli 1880 wurde in Frankfurt das 5. Deutsche Turnfest gefeiert. Der Gau "Offenbach" marschierte zum ersten Mal als geschlossener Gau und 20 Turner des Vereins beteiligten sich daran.
Die Turngemeinde Hanau kann in diesem Jahre zu unserem Gau, der von da ab Gau Offenbach-Hanau genannt wurde. Es wurde der Turngemeinde Hanau für dasselbe Jahr das Gaufest übertragen, wobei zum ersten Male auch ein Gerät (Reck) zu den Wettübungen beigefügt wurde. Auch wurden jetzt mit der Zeit eingerissene Fehler beim Turnen beseitigt. So wurde z. B. beschlossen, dass das Niederdrücken der Schnur mit den Händen beim Hochspringen keine Gültigkeit mehr habe. Es war dieses das 5. Gaufest, abgehalten am 5. September 1880 in Hanau. Der Verein hatte einen Sieger.

1881. Am 18. September 1881 wurde das Gaufest, und zwar das sechste, in Offenbach abgehalten. Das Wetturnen begann am Vormittag auf dem alten Lagerhausplatz, und am Nachmittag erfolgte die Fortsetzung des Festes auf dem Bieberer Berg. Fünf Turner des Vereins errangen sich den Eichkranz und Ludwig Burkart wurde zweiter Sieger beim Ringen.
In diesem Jahr wurde zur Unterbringung der Turngeräte, denn es war auch inzwischen ein "Schwingel" (Springbock) angeschafft worden, ein Färberhäuschen (Diese Färberhäuschen waren kleinere Bretterhäuschen und standen von einem Ufer zum andern über den Bach, sodaß bei jedem Wetter die gefärbte Wolle und dergleichen in fließendem Wasser ausgespült werden konnten. Derartige Häuschen konnte man früher in Bieber vier bis fünf zählen, da die Färbereien derzeit eine beachtenswerte Industrie in Bieber bildeten.) von Hieronymus Heberer angekauft und auf dem Turnplatz aufgestellt.

1882. Im Jahre 1882 wurde das Feldbergfest am 25. Juni abgehalten; es war das 29., mit drei Wetturnern vom Verein beschickt, und zwar war es auch Hermann Lindner möglich, Sieger zu werden, somit der erste Erfolg bei den Feldbergfesten.
Auch war es möglich, einen Sieg zu erringen auf dem Leniabergfest (Dieses Bergfest fand in den Jahren von 1878 bis 1885 auf dem Leniaberge bei Gonsenheim (Mainz) statt und wurden auch nur volkstümliche Übungen geturnt; es war aus Anlaß der 60jährigen Stiftungsfeier des Turnvereins Mainz von 1817 entstanden) und zwar durch Kaspar Bergmann als 19. Sieger. Von diesem Feste war auch schon Kaspar Jäger 1880 als 22. Sieger zurückgekehrt.
In Bürgel wurde am 10. September 1882 das 7. Gaufest abgehalten und brachte für den Verein 5 Sieger.
Der erste transportable Barren, der jetzt noch, allerdings im schlechten Zustande vorhanden ist, wurde in diesem Jahr gekauft und zwar für den Preis von 75,50 Mark

1883. Für Bieber war dieses ein Festjahr; denn der 1874 gegründete Gesangsverein "Concordia" feierte sein Fahnenweihfest. Der Festplatz war auf den Grundstücken hinter dem Gasthaus "Zum Rebstock", die jetzt bebaut sind. Der Turnverein nahm an diesem Feste teil.
Bei dem 30. Feldbergfest am 1. Juli wurde dem Verein wieder ein Sieg zuteil.
Fünf Sieger konnten es sein auf dem 8. Gaufest, das am 5. August in Heusenstamm abgehalten wurde.

1884. Das 9. Gaufest war wieder bestimmt, in den Mauern von Bieber abgehalten zu werden. Als Festplatz war der Grasgarten von M. Jäger, jetzt Gasthaus "Zum Fässchen", vorgesehen. Am 27. Juli rüstete sich die ganze Gemeinde, um den Turnern einen herzlichen Empfang zu bereiten. An dem durch acht Vorreiter in Kostüm eröffneten Festzuge beteiligten sich nach einem noch im Original vorhandenen Berichte der "Offenbacher Morgenzeitung" rund 1600 Personen. Es waren alle hiesigen Vereine (damals sieben an der Zahl), vertreten. Nachdem der Festzug über die Brücke, die von der Landstraße her zu dem Platze gelegt werden musste, da von dem Bieberbach in die sog. "Fischbach" eine Mulde (Diese Mulde wurde im Jahre 1902 ausgefüllt, die Verbindung der Gewässer durch einen Kanal hergestellt und die steinernen Brücken auf der Landstraße, die nicht so breit waren, dass zwei Fuhrwerke darauf einander ausweichen konnten, geschleift.) führte, die zur Regulierung des Hochwassers diente (es ist dieses zur heutigen Zeit der Appell- oder Marktplatz), einmarschiert war, hielt der damalige Gauvertreter, L. Stahl, eine zündende Ansprache. Von Gauturnwart Otto Schatt, Hanau, geleitet, wurden allgemeine Freiübungen geturnt, und bei Verkündigung der Sieger am Abend gab es hellen Jubel, denn Martin Ritzel wurde erster Sieger im Einzelturnen, außerdem noch noch 8 Turner des Vereins, und Martin Rieht erster Sieger beim Ringen. Zum Wetturnen waren 124 Turner angetreten, von denen 72 Sieger wurden. Der Verein zählte damals 90 Mitglieder. Auch wurde in diesem Jahr das 15. Kreisfest, vom 16. bis 19. August in Wiesbaden abgehalten. Martin Ritzel wurde auch hierbei Sieger, somit der erste Erfolg bei Kreisfesten. Bei dem 31. Feldbergfest am 29. Juni gelang es zwei Turnern den Kranz zu erringen.

1885. Da nun einige gute Turner des Vereins ihrer Militärpflicht Genüge leisten mussten, verging das Jahr ziemlich ruhig. Beim dem 32. Feldbergfeste, das wegen schlechter Witterung am 9. August in Cronberg (Schleifers Garten) abgehalten werden musste, wurde ein Turner, und beim 10. Gaufest am 2. August in Hausen zwei Turner des Vereins Sieger.

1886. Mit diesem Jahre waren es 25 Jahre seit Bestehen des Vereins, weshalb man schon frühzeitig bedacht war, die Feier in würdiger Weise zu begehen. Der 16. Mai war als Festtag bestimmt und zugleich das Gauanturnen damit verbunden; auch ein Wetturnen in volkstümlichen Übungen wurde für die Turner des Gaues veranstaltet, zu dem die hiesige Bürgerschaft verschiedene Ehrenpreise (das Turnen um Wertpreise war damals noch nicht verboten) gestiftet hatte. Es wurde geturnt Stabhochsprung, Freiweitsprung, Freihochsprung, und waren für jede Übungsart je ein erster und zweiter Preis vorgesehen; die Verteilung der Preise nahm der damalige Bürgermeister Wilhelm selbst vor, was überall mit Freuden begrüßt wurde. Am Vorabend war die Feier mit einem Lampionzug eingeleitet und wurde dabei jedem der drei dem Verein noch angehörenden Mitglieder Peter Jos. Becker, Adam Krah und Peter Herzing V.. Der Verein ernannte sie an diesem Tage zu Ehrenmitgliedern, die nun auch dem Verein bis zu ihrem Ableben treu blieben. Ein Kommers im Gasthaus "Zur Bretzel" ließ nach der Begrüßung des Vorsitzenden (Heinrich Peter) denn auch bald eine freudige Stimmung aufkommen. Den turnerischen Rückblick gab der Turnwart Kaspar Jäger in packender Weise, nach dem, mit lebhafter Freude begrüßt, der Gauvertreter L. Stahl eine Ansprache hielt, in welcher er zum festen Zusammenhalten und rühriger Turnarbeit ermahnte. Unten den Vorträgen der Gesangsvereine "Frohsinn" und "Concordia" und einer Musikkapelle schwanden rasch die Stunden dieser erhebenden Feier.
Das 33. Feldbergfest fand am 12. Juni 1886 (es wurde dabei zum ersten Male nach der Deutschen Wertung geturn), jedoch ohne Erfolge für den Verein, statt. Bei dem 11. Gaufest am 22. August, abgehalten in Oberrad, gab es für den Verein zwei Sieger. Bei dem Turntag 1886 wurde Kaspar Jäger in den technischen Ausschuß des Gaues gewählt. Auch feierte in diesem Jahr der 1872 gegründete hiesige Militär- und Veteranenverein "Hassia" im Grasgarten von Melchior Jäger seine Fahnenweihe. Der Verein beteiligte sich vollzählig daran.

1887. In diesem Jahre wurde der erste Maskenball, der sich von da ab bis auf die heutige Zeit erhalten hat, abgehalten. Bei dem 34. Feldbergfest am 12. Juni, sowie beim 12. Gaufest am 28. August in Groß-Auheim wurden je drei Turner des Vereins Sieger. Am 24. Juli beging die Turngemeinde Hanau ihr 50jähriges Bestehen und verband damit ein Turnen in volkstümlichen Übungen. Es wurde geturnt Stabhochsprung und Weitsprung, wobei Martin Ritzel 5. und Peter Doll 6. Sieger wurden; bei Freihochsprung und Steinstoßen konnte Andreas Armbrust 3. Sieger werden. Am 4. Dezember desselben Jahres wurde in einer Generalversammlung auf Antrag von Kaspar Jäger der Beschluß gefasst, einen Fonds zur Erbauung einer Turnhalle zu gründen.
Bild 1. Mitglieder-Riege
Der damalige, von Begeisterung getragene Antrag lautete: "Es werden von den wöchentlichen Beiträgen von den Mitgliedern 2 Pfg. und von den Zöglingen 1 Pfg. zurückgelegt und für sich gebucht. Das Geld darf nicht vergriffen und zu keinem anderen Zweck verwendet werden, auch hat keine Hauptversammlung das Recht, anders zu bestimmen. Um diesem Kapital Mittel zuzuführen, sollen es sich alle Gesellschaften bei Gelegenheiten angelegen sein lassen, für diesen Zweck Geld zu sammeln und soll auch über die Namen der Spender Buch geführt werden, um bei der Erbauung der Turnhalle derer gedenken zu können." Dieser Beschluß wurde mit "Gut Heil!" bekräftigt, und wir sehen auch bald in den nächsten Jahren die Mitglieder und Gönner, sowie Gönnerinnen sich in diesem Streben wetteifern. Bei jeder Festlichkeit und Feier muß eine Spende für den Baufonds herausgeschlagen werden und es ist sehr interessant, in dem hierüber geführten Buche zu lesen, jedoch würde es zu weit führen, diese alles hier zu erwähnen.

1888. Beim 35. Feldbergfest, dass am 25. Juni 1888 vorgesehen, aber wegen des Hinscheidens Kaiser Friedrichs III. auf den 29. Juli verlegt werden musste, da eine vierwöchentliche Reichstrauer angesetzt war, konnten vier Turner des Vereins Sieger werden.
Das 13. Gaufest am 5. August in Klein-Steinheim brachte einen Sieger. Während dieses Jahres bestand hier eine im Gasthaus "Zum Wiener Hof" gegründete "Turngemeinde", die aber kaum ein Jahr bestehen konnte und durch Verschwinden der Vereinskasse mit einem gerichtlichen Nachspiel endetet.

1889. Am 23. Juni 1889 fand das 36. Feldbergfest statt und wurden dabei vier Turner des Vereins Sieger. Das gutgelungene 14. Gaufest am 11 August in Gelnhausen brachte deren drei. Dabei wurde der zweite Preis von Pet. Doll errungen. Auch stellte der Verein bei diesem Feste zum ersten Male eine Musterriege, und zwar am Barren mit 7 Teilnehmern, und errang ein Diplom mit guter Bewertung. (Leiter: Martin Ritzel.) Am zweiten Pfingstfeiertage desselben Jahres führte der Verein eine Turnfahrt an die Bergstraße (Felsenmeer) aus, woran sich über 60 Personen beteiligten. Im selben Jahr feierte der hiesige, 1879 gegründete Gesangverein "Sängerkranz", auf dem Turnplatze als Festplatz, seine Fahnenweihe. An dem 7. Deutschen Turnfest vom 21. Juli bis 4. August 1889 in München beteiligten sich von dem Verein folgende Mitglieder: Andreas Armbrust, Jean Lindner, Peter Maith, Peter Kaiser, sowie das damals dort wohnende Mitglied Andreas Duttine.

1890. Bei fast unerträglicher Hitze, 25 Grad Réaumur im Schatten, wurde am 17. August 1890 das 37. Feldbergfest gefeiert und dabei für den Verein vier Siege errungen; dabei der 7. Preis von Andreas Armbrust.
Das 15. Gaufest am 13. Juli (weil am 8. Juli verregnet), in Mühlheim abgehalten, brachte sechs Siege. Das schön durchgeführte 18. Mittelrheinische Kreisturnfest vom 2. bis 5. August 1890 in Koblenz, brachte einen Sieger für den Verein.

1891. Das Jahr 1891 stand zunächst für den Verein im Zeichen der Trauer. Am 2. April erlitt das eifrige und strebsame Mitglied Kaspar Jäger, auf das der Verein damals sein ganzes Vertrauen und Hoffen setzte, auf dem Wege von Offenbach (seiner Arbeiststätte) nach Bieber einen Herzschlag und verschied kurze Zeit danach. Wie ein Schlag ging diese Kunde durch den ganzen Verein und weit über die Grenzen der Gemeinde, in Gau und Kreis, ob dieses herben Verlustes. Allgemein war die Trauer und ebenso erhebend das Leichenbegängnis, die letzte Ehre, die man ihm noch für sein aufopferndes Streben erweisen konnte. Zum 38. Feldbergfeste am 28. Juni 1891 waren vier Turner des Vereins angetreten, wovon drei Sieger wurden.

Fortsetzung folgt ...


Besinnliche Erinnerungen (Aus dem Heft zum 100-jährigen Jubiläum - Besinnliche Erinnerungen von Lehrer Jean Keller)

Im April 1861 wurde unser Verein von etwa 30 jungen Männern gegründet, angeregt durch das im Vorjahr abgehaltene 1. Deutsche Turnfest in Koburg und wirkungsvoll gefördert durch Turnfreunde aus Offenbach, die schon Jahre vorher den Geist Friedrich Ludwig Jahns in unsere engere Heimat getragen hatten. Die Gründer trugen die Ideale Jahns im Herzen, sie waren die Jünger einer neuen Zeit. Sie scheuten keine Schwierigkeiten, sie setzten alles ein, sie opferten und trugen die Pfennige zusammen, denn sie brauchten einen Platz an der Sonne, sie brauchten Raum zum Üben - zum Turnen.
Sie erkämpften alles, langsam und zielbewußt, sie schlossen sich der größeren Gemeinschaft an, sie zogen aus zum Streite, sie errangen die ersten Siege, und zu hehrem Ziel führte sie ihr Spiel. Als Männer hart und wahr strahlte ihnen der Himmel klar, denn sie wußten: Großes gedeiht aber nur durch Einigkeit.

So handelten sie, so sangen sie auf freier Bahn und wenn sie sich in familiärer Weise in fröhlicher Runde fanden.

Unsere Vereinsriege im Jahre 1911

Die Zahl war noch klein, umso größer aber ihre Freude an echter Gmeinschaftlichkeit. Es war ein Verein geworden, der sich allen Belangen des Alltags erschloß. Höhepunkte waren schon von Beginn an die alljährlich stattfindenden Weihnachtsfeiern, wo man sich erfreute an Theaterspiel, Volkskunst, Gesang und Tanz.

Viele Jahre vergingen, die Gründergeneration wurde alt und müde; aber neue Männer traten an ihre Stelle, man vergrößerte das Werk, man wurde selbstbewußt und ging zu neuen Taten. So konnte am 13. Februar 1899 der erste Spatenstich zu den Grundmauern der geplanten Turnhalle getan werden; und am 18. November erfolgte die Eröffnung unter Beteiligung der gesamten Einwohnerschaft.

Der Verein hatte endlich sein eigenes Heim und die Gemeinde Bieber ihr Kulturzentrum.
Das ist so geblieben bis auf den heutigen Tag. Es gibt keinen Verein oder keine Körperschaft in Bieber, die nicht schon öfter unserer Turnhalle in Anspruch genommen hätte zur Abhaltung ihrer repäsentativen Veranstaltungen.
Besonders die große Bühne konnte zur Verschönerung der Feiern eingesetzt werden, doch bald erwies sie sich als zu klein, sodaß im Jahre 1910 die Umänderung erfolgen mußte.

Unsere Männerriege 1951, im 90. Jubiläumsjahr

Durch die neue Turnhalle erfolgte ein gewaltiger Aufstieg des Vereinslebens, der ununterbrochen anhielt bis zum 50-jährigen Jubiläum. Es wurde im Hitzejahr 1911 in glanzvoller Weise begangen.

Und doch ist es die Pflicht des Chronisten, auch der Gefahren zu gedenken, die das Vereinsschiff in den langen Jahren seines Bestehens bedrohten:

Schon beim Bau der Turnhalle gab es eine kleine Sezession, als einige Mitglieder, die gegen den Turnhallenbau waren, den Verein verließen. Im Jahre 1911 erfolgte ein Ausschlußverfahren gegen den Verein, weil die 1. Riege bei einem politischen Fest auf der eigenen Bühne geturnt hatte.

Aber die schwersten Gefahren sollten noch kommen:

Die beiden großen Weltkriege standen bevor und beide Male ging es um die Existenz des Vereis. Seine Mitglieder wurden zum größten Teil Soldaten, ein großer Teil von ihnen kehrte nicht mehr zurück. So gaben 27 Mitglieder im ersten Weltkrieg ihr Leben für das Vaterland; im zweiten Weltkrieg 1939/45 ist diese Zahl noch wesentlich größer geworden.

Auch die Turnhalle wurde bei den verschiedenen Bombenangriffen schwer beschädigt, am schlimmsten am 11. Dezember 1944, als es allein in Bieber über 60 Tote gab. Was 1919 verhältnismäßig leicht war - die Wiederaufnahme des Vereinsbetriebs - war im Jahr 1945 wesentlich schwieriger, denn nun schaltete sich die amerikanische Besatzungsmacht ein, indem sie den Turn- und Sportbetrieb kurzerhand sperrte. Trotzdem gelang es auch jetzt wieder, zunächst die Beschädigung an der Turnhalle selbst zu beseitigen, um einen weiteren Verfall des Hauses zu verhindern. Das Vereinsleben kam auch bald wieder in Gang, sodaß im Jubeljahr 1961 der Verein seine alte Blüte wieder erreicht hat.

Warum das Wort "GAU" in Turngau Offenbach-Hanau? (Aus dem Heft zum 125-jährigen Bestehen des Turngau Offenbach-Hanau)

Das heute im technischen Bereich allgemein gebräuchliche Wort GAU heißt "größtmöglicher anzunehmender Unfall". Das hat aber nichts mit dem Turngau zu tun.
Auch daß die Nazis 1933 bei der Gleichschaltung die landesweiten Gebiete "Gaue" nannten, hat mit den Turngauen, die nach dem Zweiten Weltkrieg alle neu gegründet werden mußten, nichts zu tun.
"Gau" ist von dem altgermanischen Wort "gouue" abgeleitet und bezeichnet unter dem Zusatz eines Namens, zum Beispiel eines Flusses oder Gebirges, ein nicht allzu großes Land wie Breisgau oder Rheingau - Namen, die heute noch geläufig sind.
Als 1860 die Deutsche Turnerschaft gegründet wurde, wurde sie auf der mittleren Ebene in Kreise eingeteilt: wir gehörten zum Mittelrheinkreis. Die Kreise wurden dann auf der unteren Ebene wieder in Gaue aufgeteilt. Auf der Mainkur (Hanau) in unserem Gau wurde 1860 als erster deutscher Gau der Maingau gegründet. Dieser Name war noch in Erinnerung und taugte daher gut für die Bezeichnung eines Turngaus, der sich vom Taunus am Main entlang und schließlich auch an der Kinzig entlang hinzog und die Turner in diesem Gebiet zusammenfaßte. Aus diesem Maingau ging dann später unser Turngau, der Turngau Offenbach-Hanau hervor.

Gauturnfest 1954 in Offenbach-Bieber

Am 21. November 1875 wurde der Turngau Offenbach von den Turnvereinen Bieber und Offenbach, Heusenstamm und Neu-Isenburg sowie der Turngemeinde Bürgel in Offenbach gegründet. 1876 schlossen sich die Turnvereine Hausen und Obertshausen dem Gau an, 1879 auch die Turngemeinde Hanau. Zu Ehren der beiden alten Turnerstädte nahm man 1881 den Namen Turngau Offenbach-Hanau an.

Bei den Feldbergfesten konnte der TVB insgesamt 13 mal das Völsungenhorn erringen, dies war in den Jahren 1923, 1924, 1928, 1933, 1937, 1956, 1957, 1958, 1959, 1964, 1965, 1966 und 1971.
In den Jahren 1958 und 1959 war auch der Feldbergsieger Mitglied des TVB.
Dies war im Jahr 1958 Rudolf Junghans und im Jahr 1959 Jürgen Wigidal.

(v.r. Georg Großmann, Egon Dinndorf, Jürgen Schneider, Willi Bauer, Jürgen Wigidal, Rudolph Junghans, Arthur Ritzel)

(Georg Großmann, Karl Kurt, Ernst Roth)

(Handballer v.r. Fritz Peter, Friedel Zwicker, Willi Schnall, Georg Großmann, Ludwig Reis, Groh, Arthur Ritzel, Willi Weisenbach)

(ca. 1930 Rieth, Hans Bauer, Arthur Ritzel, Georg Großmann, Karl Weiland, Ernst Roth, Ludwig Reis)